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BLOG-TRIFFT-BALL im Gespräch mit Thorsten Gutzeit

Längst ist allen Führungskräften in der Regionalliga Nord klar: Holstein Kiel ist der haushohe Favorit. Im Interview mit BLOG-TRIFFT-BALL spricht „Störche“-Trainer Thorsten Gutzeit über seine Phase nach Wolfsburg, das Relaxinselchen namens Mallorca und warum ihm die Sache mit dem Lachen so schwer fällt.

Thorsten Gutzeit, Ihre Sommerpause war mit gerade drei Wochen verdächtig kurz. Nichtsdestotrotz, wie haben Sie die freie Zeit genutzt?
Die ersten Tage nach der Niederlage in Wolfsburg waren wirklich anstrengend. Dieses Spiel, diese Emotionen zu verarbeiten, das brauchte offenbar eine gewisse Zeit. Erst nach einer guten Woche ging es bergauf. Und dann war Mallorca angesagt. Und das tat mir richtig gut. Man kam mal auf andere Gedanken und war nicht nur beim Fußball.

Sie haben einen ruhigen Platz auf Mallorca gefunden?
Natürlich. Mallorca ist ja nicht nur Palma. Es gibt dort viele Ecken wo sich kaum ein Mensch verirrt. Aber die muss man kennen.

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Sie kennen sich gut aus auf Mallorca?
Wenn ich einen entspannten Urlaub plane weiß ich zumindest, welche Ecke der Insel anzufahren ist. Wir waren jetzt im Nordosten in Cala Mesquida. Super.

Kommen wir zum Sport: Große Turniere wie eine Fußball-Europameisterschaft dienen nicht selten als Bühne für taktische Revolutionen. Hat die Euro für Sie neue Erkenntnisse hervorgebracht?
Ohne Frage gibt es immer mal Trends. Nur mir stellt sich dann oft die Frage, ob dieser neue Spielstil überhaupt zu unserem Team und der Spielklasse passt.

Aktuell hat man als Zuschauer das Gefühl, Mauern ist in Mode. Chelsea gewinnt mit sechs Verteidigern die Champions-League. Nationen wie Italien und selbst Portugal stehen unglaublich tief. Und die Griechen schießen vier Mal aufs gegnerische Tor und gehören nun zu den Top 8 in Europa.
Auch die Engländer stehen ungewohnt tief und geordnet und stellen die Defensivarbeit in den Vordergrund.

Bei derartigen Verteidigungsfestivals werden Sie für Holstein Kiel kaum etwas kopieren können.
Das stimmt. Ich mag den offensiven Fußball. Und wir hier in Kiel haben das Ziel, attraktiven, chancenreichen Fußball zu spielen. Das war schon in der Vergangenheit so. Und daran wollen wir auch in der Zukunft arbeiten.

In der letzten Spielzeit erzielten Sie zwanzig Tore mehr als der Hallescher FC, kassierten dafür doppelt so viele Gegentore wie der Aufsteiger. Wird Ihr neuer Spielplan dadurch nicht beeinflusst?
Natürlich habe wir am Ende zu viele Tore gefangen. Aber das hat nicht ausschließlich etwas mit dem Verhalten der Abwehrspieler zu tun. Wir müssen schneller in die Defensive, in die Rückwärtsbewegung kommen und in gewissen Dingen vielleicht tatsächlich dem Trend folgen, dass wir bei Ballverlust schneller organisiert sind.

Als bekanntester Spieler ist Marcel Schied neu bei Holstein Kiel. Was versprechen Sie sich von ihm?
Wir wollten einen Spieler der eine gewisse Erfahrung vor dem Tor mitbringt. Ich will nicht vom Killerinstinkt reden. Aber Marcel ist ein Spieler der Torchancen riecht und sie verwerten kann. Zudem passt er mit seiner Größe und der Wendigkeit gut zu unserem Spiel.

Schied hat 178 Zweitligaspiele auf dem Buckel. Denken Sie, Sie können so einem Spieler noch etwas beibringen?
Glücklicherweise bringt er viel mit, sodass wir ihm gar nicht mehr so viel erzählen müssen. Entscheidend wird sein, dass wir ihn in unser Spiel integrieren und er seine Stärken bestmöglich für uns einbringen kann.

Herr Gutzeit, was sind Sie für Ihre Spieler? Eher Kumpel? Der Lehrer? Oder die Vaterfigur?
Ich mag es harmonisch und glaube nicht, dass ich der Kumpel aber auch nicht der Vatertyp bin. Ich denke, ich bin sehr offen und freundlich in der Führung. Ja, das beschreibt es ganz gut.

Mal etwas privater. Worüber lachen Sie eigentlich?
Ich lache selten.

Deswegen ja auch die Frage.
(zögert und überlegt …) Wirklich, ich kann Ihnen die Frage gerade nicht beantworten.

» Holstein Kiel auf BLOG-TRIFFT-BALL

Dann lassen wir das. Aber man kann Sie als introvertiert bezeichnen?
Ich denken schon. Emotionen, negativ wie positiv, trage ich eher selten nach draußen.

Wie wohnen Sie?
Reihenhaus, kleiner Garten. Und das seit 21 Jahren.

Liegt Fußballliteratur in den Bücherregalen?
Selbstverständlich. Der Fußball entwickelt sich stetig weiter und so ist es ja unabdingbar, dass man offen für Anregungen ist. Aus Italien stammen einige Werke zum Thema Abwehrarbeit. Aber auch der DFB hat in den vergangen Jahren enorm viel für die Weiterbildung der Trainer, auch für kleinere Vereine, getan.

Letzte Frage: Wie denken Sie über Jürgen Klopp?
Na ja, wir sind uns im Februar im DFB-Pokal begegnet. Wie ich über ihn denke? Er strahlt eine riesige Selbstsicherheit und Souveränität aus. Aber vor allem die Art und Weise wie er mit diesem Spielermaterial Fußball spielen lässt, ja, das macht Spaß und hat mich beeindruckt.

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Benny Semmler

Papa, Blogger, Mitgründer FRISCHER FILM, Seniorenspieler USC Paloma, Mitglied UnterstützerClub des FC St. Pauli, Towers-Fan und Gotnexxt.de-Follower.