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Das Interview mit Insolvenzverwalter Denkhaus

Seit Dezember steuert Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus den lädierten VfB Lübeck. BLOG-TRIFFT-BALL sprach mit ihm über die aktuelle Situation des Traditionsvereins.

 

 

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Herr Denkhaus, Lübeck ist eine Stadt mit vielen Traditionsunternehmen. Warum ist diesen Firmen der VfB Lübeck keine 500.000 Euro wert?
Die Frage sollte sich eher an die Unternehmen richten. Letztendlich muss jedes Unternehmen entscheiden, wo die Förderschwerpunkte gesetzt werden. In Lübeck haben sich zum Beispiel viele auf kulturelle Themen konzentriert.

Die A-Junioren werden bei einem Aufstieg in die Bundesliga hohe Kosten verursachen und sportlich nicht konkurrenzfähig sein. Was vor allem daran liegt, dass die Besten für das neue VfB-Oberligateam auflaufen werden. Wäre es nicht besser gewesen, die A-Junioren in der Regionalliga zu halten?
Als Insolvenzverwalter bin ich für die sportlichen Entscheidungen natürlich nicht zuständig. Aber ich sehe das so: Der Verein hat nun den Zwangsabstieg in die 5. Liga vor sich. Daher ist es schön, mit der Junioren-Bundesliga ein Aushängeschild zu haben. Die entstehenden Kosten werden teilweise von Außen mitgetragen. Einmal durch die Sponsoren, aber auch durch eine Aufwandsentschädigung durch den Verband. Unter dem Strich wird die Junioren-Bundesliga eine überschaubare Investition sein.

Wo liegt Ihrer Meinung nach die Hauptursache für die Insolvenz? Immerhin ist es bereits die zweite innerhalb von nicht einmal 5 Jahren. Ist die Regionalliga einfach zu teuer?

Die Einnahmen haben die Ausgaben nicht gedeckt. Die Regionalliga mag eine Rolle spielen. Andererseits war ich überrascht, wie gering die Spielergehälter waren. Trotzdem kam in der Summe ein nicht unerheblicher Betrag zusammen.

Das Budget war zu hoch?
Wenn man vergleicht, mit was für Summen besonders die zweiten Mannschaften der Bundesligisten junge Spieler holen, war das Budget nicht übertrieben. Nur leider war es durch die Einnahmen nicht gedeckt. Ein Regionalligist finanziert sich durch Sponsoren, Spendengelder und Eintrittsgelder. Das ist in der Summe zu gering gewesen.

Wie problematisch ist es, wenn nun einige Regionalligisten nicht beim VfB Lübeck antreten wollen, weil es ohnehin nicht mehr um Punkte geht?

Ich finde das ärgerlich und unsportlich. Umso schöner, dass es Leute gibt, die wie bei Cloppenburg die Anfahrt finanzieren. Meine Forderung an den Verband ist, dass Vereine, die nicht bei uns antreten, die Höchststrafe erhalten. Alles andere finde ich schlapp.

Wird der ungenannte Sponsor möglicherweise noch weitere Anfahrten der Gästemannschaften finanzieren? Schließlich wollen einige Vereine nicht nach Lübeck reisen.

Das weiß ich nicht.

Beim letzten Heimspiel gegen Cloppenburg kamen 800 Zuschauer, darunter waren nur 200 Tagesgäste. Könnte der unerwartet geringe Zuschauerzuspruch Ihren Finanzplan auf den Kopf stellen?
Davon gehe ich nicht aus. Trotzdem freue ich mich natürlich über jeden Zuschauer, der unsere Spiele besucht.

Das sinkende Interesse bereitet Ihnen also keine Sorgen?
Ich habe den Eindruck, dass sich der VfB auf einem guten Weg befindet. Das Überleben des Vereins ist zwar noch nicht gesichert. Aber alle Beteiligten kämpfen dafür. Eins ist aber wichtig.

Und das wäre?
Dass das Thema nicht aus dem Bewusststein verschwindet. Manchmal ist es wie in der Politik. Etwas verschwindet von der Tagesordnung und gerät in Vergessenheit. Das darf in diesem Fall nicht passieren. Die Menschen sollten wachgerüttelt bleiben, dass sie den VfB unterstützen müssen. Eins ist klar: Lübeck ist eine tolle Stadt. Zu solch einer Stadt passt ein Fußballverein, der höher als in der 5. oder sogar höher als in der 4. Liga spielt. Ich sehe mich im Verein praktisch als Gast, der den Verein entschuldet. Das kann aber lediglich die Basis für eine Entwicklung sein, die in den höherklassigen Fußball führen muss.

Im April wird der Hamburger SV zu einem Benefizspiel nach Lübeck kommen. Welche Einnahmen erhoffen Sie sich?
Ich erhoffe mir einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich.

Wie viel Geld benötigen Sie überhaupt noch, um einen Insolvenzplan zu erstellen?
Wir arbeiten an dem Vereinskonzept und sind zudem im Gespräch mit den Sponsoren. Die genaue Summe kann ich noch nicht sagen. Ohnehin geht es nicht nur um den Insolvenzplan. Genauso wichtig ist, dass auch die nachfolgenden Spielzeiten finanzierbar sind. Und das ist die deutlich schwierigere Aufgabe. Zusagen für eine kurzfristige Unterstützung sind einfacher zu bekommen als für eine langfristige Unterstützung. Vor allem daran wird gearbeitet.

Wie ist nun der weitere Ablauf?
Im März findet die Gläubigerversammlung statt. Bis dahin haben alle Gläubiger ihre Forderung anzumelden. Mein Ziel ist es, einen Insolvenzplan zu erstellen, dem die Gläubiger zustimmen. Dazu muss ich wissen, welche Summe die Sponsoren zur Verfügung stellen. Auch darüber werde ich März mehr wissen.

Und welchen Ratschlag können Sie dem VfB für die Zukunft geben, damit es in fünf Jahren nicht eine weitere Insolvenz gibt?
Schauen Sie sich den HSV an: Auch dort gibt es viele Streitigkeiten, weil der Aufsichtsrat so groß ist. Jeder Sportverein braucht eine vernünftige Struktur, wo die Mitglieder Vertrauen zum Vorstand haben. Beim VfB gab es den Rücktritt eines Vorstandes, dann wurde der Aufsichtsrat abgewählt – es hat einfach zu viele Streitigkeiten gegeben. Wichtig ist nun, dass auf unterschiedlichen Ebenen eine Professionalisierung stattfindet.

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Oliver Jensen

Oliver Jensen ist Sportjournalist aus Leidenschaft. Ob nun Fußball, Handball oder American Football - der 29-Jährige ist immer nahe am Geschehen und schreibt unter anderem für den Deutschen Fußball-Bund, den Kicker und die Deutsche Tennis Zeitung. Den Beruf hat er zuvor an der Freien Journalistenschule in Berlin erlernt. Seit November 2012 schreibt er auch für BLOG-TRIFFT-BALL.