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HSV: Wie im Karnickelzüchterverein

Text: Axel Formeseyn (HSV-Verrückter & ehemaliges HSV-Aufsichtsratsmitglied)

Foto: hammoniaview.de

Der HSV ist pleite, nicht liquide, bekommt keine Lizenz beziehungsweise nur mit Auflagen … Sorry, aber: BLA BLA BLA! Ehrlich gesagt ist es mir mittlerweile – Verzeihung – scheißegal, wer wie wann und warum beim HSV wieviele Schulden gemacht oder zu verantworten hat. Wer von uns Fußball-Proleten kann denn da wirklich noch durchsteigen und – vor allem – will das überhaupt noch?! Sind wir eigentlich irgendwann dafür HSV-Fans geworden, dass wir uns seit Jahren fast ausschließlich mit vereinspolitischen Fragen beschäftigen, statt gemeinsam Fußball zu gucken und Bier zu trinken und Spaß an unserer Mannschaft zu haben?

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Fakt ist doch, dass der HSV im Moment genau daran zugrunde geht, dass auf seinem Rücken seit Jahren/Jahrzehnten Politik (von wem auch immer) gemacht wurde und immer noch wird und das, was wir in Sachen „Fußball“ und „Finanzen“ HSV-technisch gerade erleben, die absolut verdiente Quittung dafür ist. Und: Ja, auch ich sah stets und sehe im Grunde genommen immer noch im e.V. die charmantere HSV-Variante, gerade in Zeiten von Red Bull, VW, Hopp etc…

EIGENTLICH! Denn: Die letzten Jahre haben ganz deutlich bewiesen, dass diese Vereinsform von der Öffentlichkeit und der krassen Mehrheit der HSV-Fans nicht (mehr) gewünscht wird. An dieser Stelle dürfen sich in unserem Klub übrigens ganz bestimmte Personen und Gruppen selbstkritisch auf die Schultern klopfen, haben sie doch diese Stimmung (mit) zu verantworten. Tun sie nicht. Ist klar. Sind ja die Bewahrer der wahren HSV-ID. Hihi, haha, hoho… Ich habe übrigens auch mal gedacht, ich könnte die komplette HSV-Welt einreißen und irgendwann doch nur gemerkt, dass sich innerhalb der achso wichtigen HSV-Gremien eh nur wie im provinziellsten Karnickelzüchterverein aufgeführt wird: Wie bringe ich mein persönliches Schäflein am besten und schnellsten ins Trockene?

Warum ist es denn nie gelungen, selbst im Erfolg einiger 2000er Jahre diesen Klub zu befrieden? Irgendwer war doch immer der Arsch, dem man angeblich nicht vertrauen sollte oder wollte oder gar durfte… Und anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird nach Schuldigen gesucht und die nächste Abfindung gezahlt. Immer die gleiche Intrigenscheiße, ob nun von oder in irgendwelchen Fleisch-und Fußballexpertenlogen oder Gremien er- und gesponnen….

Irgendwas in diesem Klub lief und läuft doch (angeblich) immer falsch. Entsprechend müßig erscheint es mir mittlerweile, irgendwelche Schuldigen (wo auch immer) zu suchen/zu finden. Da ist zu vieles zusammengekommen, dass man nun leider (oder zum Glück?) nicht (mehr) ins Gegenteil verkehren kann. Es klingt wenig romantisch, aber so wenig ich glaube, dass mit HSV-Plus tatsächlich alles besser wird, so wenig glaube ich daran, dass es noch irgendeine praktikable Alternative dazu gibt, dass diese Ausgliederung kommt.

Man kann und soll ja zu seinen Fußball-Idealen stehen, gerade als HSVerin oder HSVer, völlig okay! Ich habe lange genug in HSV-Archiven rumgewühlt, um zumindest ein kleines Gespür für diesen Klub und seine Eigenarten zu haben. Und man kann auch für dieses und jenes sein, was nicht unbedingt mehrheitsfähig ist, logisch, wir leben ja in einer Demokratie.

Wenn man unserem HSV allerdings im Moment irgendeinen kleineren Dienst erweisen will, so sollte man sich zumindest bemühen, das, was die überwältigende Mehrheit der HSV-Gemeinde offenbar (warum auch immer) für das Richtige (oder zumindest das am wenigsten Falsche) hält, zumindest nicht zu verhindern und zu torpedieren – gerade weil man offenbar keine mehrheitsfähige Alternative aufzuzeigen imstande war beziehungsweise ist, wie man den HSV als e.V. mit diesem vereinsinternen und öffentlichen Gegenwind (bzw. -Sturm) jemals wieder auf Kurs bringen will.

Und hey: Aufsichtsratsverkleinerungen, Spielerverkäufe oder Rückholaktionen von ehemals erfolgreichen Sportdirektoren (so super ich diesen einen fand und finde!) halte ich übrigens nicht (mehr) für zukunftsträchtig beziehungsweise ausreichend.

An dieser Stelle nur ganz kurz: Wofür es sich meines Erachtens immer noch, auch und gerade im Falle einer Ausgliederung zu kämpfen lohnt, ist der Fortbestand bzw. eine Neustrukturierung des eigentlich, ja, liebe Kritiker, so ist es, wirklich fabulösen „Supporters Clubs“. In der Hinsicht darf seitens der engagierten und kritischen Fans die Flinte meiner Meinung nach auf keinen Fall ins Korn geschmissen werden. Da geht nämlich – außerhalb der ständigen Einmischung in die Vereinspolitik! – wirklich einiges, wofür es sich zu streiten und zu verhandeln lohnt! Um hier das Beste für alle HSV-Fans und -Freunde herauszuholen, sollte man seine Kraft allerdings – gerade jetzt – nicht ausschließlich in das Verhindern der Ausgliederung vergeuden.

Ansonsten: „Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht!“ sang einmal Tomte in „Die Schönheit der Chance“ und traf es mit dieser schrägen Zeile offenbar auch ganz passend …

Auch nicht schlecht: „Unser HSV“ und „Voll die Latte“ von Axel Formeseyn. Gibt’s übrigens HIER!

Benny Semmler

Papa, Blogger, Mitgründer FRISCHER FILM, Seniorenspieler USC Paloma, Mitglied UnterstützerClub des FC St. Pauli, Towers-Fan und Gotnexxt.de-Follower.