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Rostocker FC: Bundeswehr-Sponsoring spaltet den Verein

Dem RFC droht Ungemach, denn ein Sponsoringengagement der Bundeswehr spaltet den Verein. Wütende Fans kanalisierten ihre Wut mit diffamierenden Schmierereien. Vereinspräsident Nils Greese wünscht sich mehr Akzeptanz für die wertvolle Unterstützung – wirbt aber auch mit Leidenschaft für die Seele des Vereins.

 

Imagefilme für Rostock und Mecklenburg-Vorpommern

Hallo Nils, da wir heute nicht aus reiner Geselligkeit zusammensitzen, sondern aus einem etwas ernsteren Grund- Was ist am Wochenende hier passiert?
Unbekannte Täter haben vor einer Woche Teile des Vereinsgeländes mit Parolen beschmiert, die sich gegen die Bundeswehr richteten. So wurde zweimal „Scheiß Bundeswehr“ und einmal „Bundeswehr tötet“ auf Wänden des Vereins gesprüht.

Ohne den Vorfall zu bagatellisieren. Die Mitteilung über Facebook hat sich dramatischer angehört.
Ja, es war auch das erste Mal das so etwas bei uns passiert ist. Vielleicht fehlte uns etwas die Erfahrung im Umgang mit solchen kritischen Situationen. Einige Tage später ärgere ich mich zwar immer noch über die Riesendsauerei der Täter, aber man weiß es besser einzuschätzen und einzuordnen. Vielleicht haben wir ein bisschen zu viel Wind gemacht.

Worin siehst du denn die Gründe für die Aktion?
Es ist ja im Verein weitläufig bekannt, dass die Bundeswehr, für die unter anderem unser Cheftrainer und unser Manager der ersten Mannschaft arbeiten, den RFC in Zukunft finanziell unterstützen möchte. Durch die Unterstützung der Bundeswehr sollen drei Kleintransporter für die Neustrukturierung des Mannschaftstransfers angeschafft werden. Das spart viel Geld und die Bundeswehr leistet mit ihrem Engagement die wichtige Unterstützung bei der Finanzierung.

Wie kommt das Bundeswehrengagement insgesamt im Klub an? Gibt es neben Widerstand auch Zuneigung?
Momentan bilden sich zwei Lager beim RFC. Zum einen die Sportler und Trainer, die halt absolut für die Investitionen sind und der BW aufgeschlossen gegenüberstehen. Jedoch gibt es einige Fans und Fördermitglieder, die gegen den neuen Partner sind. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen, weil wir viele Wehrdienstverweigerer aus der DDR in unseren Anhänger-Reihen haben, die aus moralischen Motiven nichts mit dem Waffendienst zu tun haben möchten. Zum anderen besteht die Furcht bei einigen Fans, dass der RFC dadurch das verliert, was er sich langfristig aufgebaut hat.

Was aufgebaut?
Wir sind ja schon ein besonderer Klub. Bei uns im Vereinsheim spielen Punkbands vor über 100 Zuschauern, wie haben die beiden populärsten Rockgruppen aus Mecklenburger-Vorpommern als Trikotsponsor in der Jugendabteilung und wir werden von einer Anhängerschaft geprägt, die über den Tellerrand hinwegschaut. Fußball ist nun einmal Politik und eine gute Möglichkeit, Probleme öffentlichkeitswirksam anzugehen. Wir bekennen uns klar gegen Nazis, Homophobie und Rassismus, wollen aber auch nicht Schwächere vergessen, die unsere Hilfe benötigen. Beispielsweise die Flüchtlingskinder, die bei uns Woche für Woche trainieren.

Wie sehen denn die Spieler und Trainer dieses Engagement und dieses klare Bekenntnis und eine gewisse linksorientierte Ausrichtung.
Den Spielern ist der Verein zu links und zu politisch. Sie wollen sich nur auf den Fußball konzentrieren und interessieren sich zu weiten Teilen nicht für Politik. Allerdings drücken sie auch immer wieder aus, dass sie die Präventivarbeit des Klubs und die Hilfe für die Asylkinder sehr gut finden. Da ist ja ein kleiner Widerspruch. Sie denken es wäre selbstverständlich, diese Werte zu vertreten. Aber nichts ist selbstverständlich. Man muss doch nur mal schauen, wie viele rechte Hohlbirnen es noch gibt.

Profitiert der RFC denn von seinem Image und seiner Attitüde – oder drohen sogar negative Folgen?
Ich glaube viele wissen gar nicht, wie sehr wir davon profitieren. Alleine das finanzielle Engagement von den Bands Dritte Wahl und FeineSahneFischfilet hat mehrere tausend Euro in unserer Kassen gespült. Nicht nur, weil sie jeweils 2000 Euro für die Trikots und Trainingsanzüge gespendet haben, sondern auch über die Trikotverkäufe wurden bestimmt 1500 Euro generiert. Zudem kommen bestimmt 60, 70 Zuschauer nur aufgrund unserer ganz eigenen Kultur. Anhänger, die sich auch politisch mit dem Klub identifizieren können. Die trinken ihr Bier und essen ihre zwei Würste. Das ist auch Geld, das der Verein einnimmt.

Wie sieht das mit den Sponsoren aus? Sträuben sich nicht mittelständische Unternehmen gegen einen Klub, der gesellschaftskritische Bands in seiner Gaststätte spielen lässt?
Da gibt es sicherlich Fälle, aber auch da wird wieder nicht die andere Seite betrachtet. Denn auf eine jede Absage kommen zwei, drei Unternehmen die Interesse an uns haben. Die Bundeswehr findet unser soziales Engagement, welches sicherlich gewisse linkspolitische und ökologische Tendenzen aufweist, auch attraktiv. Sonst würden sie ja nicht mit uns werben wollen. Die Medien, ob nun BLOG-TRIFFT-BALL oder der OZ-Sportbuzzer, interessieren sich ebenso verstärkt für uns. Der OZ-Sportbuzzer wirbt sogar auf einer Werbebande und stellte Anzeigen in der Zeitung zur Verfügung. Ich sehe viele Vorteile, die aufgrund unserer Philosophie entstehen.

Wie sieht es mit jungen Talenten aus. Haben die Eltern bedenken?
Auch das ist unterschiedlich. Es gibt Elternteile, die schicken ihre Kinder trotz regionaler Nähe zu einem anderen Klub, weil ihnen das mit dem politischen Image unangenehm ist. Andere Eltern schicken aber ihre Kinder genau deswegen zu uns. Sie wollen, dass sich die Kinder auch mit anderen Themen auseinandersetzen und lernen, dass mit dem Fußball auch viel Verantwortung einhergeht.

Was würdest du dir wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass beide Seiten wieder mehr aufeinander zugehen. Das vielleicht unsere Fans sehen, dass durch das Bundeswehrengagement dem Verein wirklich geholfen wird. Ich wünsche mir aber auch, dass sich Personen im Verein, die sich an Nietenjacken und bunten Haaren im Vereinsheim stören, mal mit den jungen Menschen auseinandersetzen. Die zahlen auch ihr Bier und hinterlassen alles sauber und ordentlich. Sie tragen auch ihren Teil zum Vereinsleben bei, sowohl menschlich, als auch finanziell. Das macht uns doch als Verein aus. Interessante Ansätze gab es ja schon.

Die da wären?
Wir haben beispielsweise ein Bandfrühstück mit der A-Junioren-Mannschaft und den Jungs von „FeineSahne“ durchgeführt. Es sind tolle Gespräche dabei entstanden und es hat mir Freude bereitet, wie gut man sich verstehen kann, wenn man sich gegenseitig die Chance dafür einräumt.

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.