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Wie ein Wettprofi über eine Million macht

Joachim Marnitz ist Wettprofi und Wett-Strategie-Experte. Im Interview erklärt er, warum professionelles Fußballwetten wenig mit „Ahnung“ zu tun hat und wie man mehr als 1 Millionen Umsatz macht.

Joachim, du verdienst dein Geld mit Sportwetten. Wie geht das?

Ich habe Soziologie auf Diplom studiert. Der Schwerpunkte lag da bei empirischer Sozialforschung und damit bei Statistik. Und genau das bildet bei mir die Grundlage für das professionelle Sportwetten. Mit der Bierchenwette am Wochenende kann man das nicht vergleichen.

Was macht du denn anders als die breite Masse?

Vor einer Wette analysiere ich zahlreiche Datensätze, die Quotenbewegungen für beide Teams in der Vergangenheit sowie die besonderen Rahmenbedingungen des Spiels. Also beispielsweise, ob bestimmte Spieler gesperrt oder verletzt sind.

Wie wird man Profiwetter?

Ich würde sagen: da rutscht man so rein. Man entwickelt irgendwann eigene Methoden und verfeinert diese. Wie schwer das ist, merkt man dann immer erst in den schwierigen Phasen, in denen es weniger gut läuft. Entscheidend ist in meinen Augen der Ehrgeiz, die Sache als mathematische Herausforderung zu begreifen. Das ist wie bei erfolgreichen Pokerspielern. Glück und Pech spielen nur zwischenzeitlich eine wichtige Rolle. Auf Dauer entscheidet das Können.

Kannst du uns eine Vorstellung von den Umsätzen eines Profiwetters geben?

Die Umsätze von Profiwettern bewegen sich immer im Millionenbereich was nach viel klingt, sich aber relativiert, wenn man bedenkt, dass Profi-Sportwetter nur einen geringen Prozentsatz ihres Umsatzes als Gewinn verbuchen können. Wenn ein erfolgreicher Sportwetter fünf Prozent seines Umsatzes als Gewinn verbuchen kann, ist das schon viel. Um also 50.000 Euro im Jahr verdienen zu können, müsste man bereits eine Million Umsatz machen.

Wie sieht der durchschnittlliche Arbeitsalltag eines Profiwetters aus?

Das wird sich von Fall zu Fall unterscheiden. Ich stecke relativ viel Arbeitszeit in die Entwicklung meiner Modelle, an denen ich das ganze Jahr arbeite. Ansonsten beschäftige ich mich damit, Daten möglichst effizient zu beschaffen und meine tagesaktuellen Wetten zu analysieren und gegebenfalls zu setzen.

Welcher Zeitaufwand steckt hinter einer einzelnen Wette? Und wie scannst du die Quoten?

Quotenbewegungen scanne ich automatisiert mit einem Programm, dass die Quoten bei verschiedenen Buchmachern für mich aufzeichnet. Für einzelne Wetten ziehe ich meine eigene Analysen heran und betrachte die aktuellen Wettquoten. Auch erwartete Preisentwicklungen spielen eine wichtige Rolle: Wenn ich der Meinung bin, dass eine Quote noch bis Anpfiff steigen wird, warte ich mit dem Platzieren der Wette entsprechend lang. In anderen Fällen muss ich so schnell wie möglich zuschlagen. Die eigentliche Analyse einer einzelnen Wetten dauert also gar nicht so lange. Allerdings steckt viel Arbeit in der Entwicklung des zugrunde liegenden Modells.

Worauf basieren deine Wettentscheidungen?

Einfach gesagt: Auf einer Reihe von Variablen, die ich für besonders relevant halte und eben den Wettquoten. Die Kunst beim Wetten besteht darin, beides in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen. Anders gesagt: du musst in der Lage sein, deine Variablen in Wahrscheinlichkeiten zu verwandeln und mit dieser Einschätzung näher an der Wahrheit zu sein, als es der Markt ist.

Welche Daten sind fürs Wetten wichtig?

Zwar wird niemand all seine Geheimnisse verraten, aber beim Fußball sind insbesondere die Häufigkeit und Qualität von Torchancen von Bedeutung und deren Ausführung. Ein Beispiel für eine nahezu bedeutungslose Statistik ist im Fußball der Ballbesitz. Interessanterweise können beim Wetten aber auch solche bedeutungslosen Statistiken von Wert sein: Nämlich dann, wenn sie von der Öffentlichkeit überbewertet werden, da das die Preise in eine bestimmte Richtung treibt.

Wo wetten Profis?

Profis wetten bei Buchmachern, die einzelne Spieler nicht sperren oder limitieren. Das sind bedrückend wenige, im Fußball sind das vor allen Dingen SBO, IBC, Pinnacle und Singbet. Dazu kommen Wettbörsen wie Matchbook oder Betdaq, in Asien kommt noch Foobet dazu. Für Profis sind ferner auch Wettagenten wie Samvo Betbroker unerlässlich, um wirklich hohe Summen auf einen Schlag platzieren zu können.

Woran erkennt man, dass man ein guter Wetter ist?

Dafür gibt es eine erstaunlich einfache Faustregel: Wenn du es regelmäßig und systematisch schaffst, beim Wetten bessere Quoten zu bekommen, als für die betreffende Wette kurz vor Anpfiff verfügbar sind, dann bist du höchstwahrscheinlich ein guter Wetter. Auf Englisch nennt man das die “closing line”. Mit dieser Methode kannst du das im Prinzip schon nach 200 Wetten abschätzen, viele Buchmacher verwenden auch genau diese Methode, um systematische Gewinner zu erkennen. Ansonsten natürlich am Geld auf dem Konto. Allerdings kann es aufgrund der Zufallsschwankungen selbst dann erstaunlich lange Durststrecken geben, wenn du sehr gut wettest. Entsprechend benötigt man schon locker 1000 Wetten, bevor sich auf diese Weise ein klareres Bild formt. Wetten bedeutet, mit viel Disziplin immer wieder Value zu suchen in diesem Sinne ist das wie beim Aktienhandel.

Was haben Sportwetten mit Aktien zu tun?

Zwar gibt es naturgemäß Unterschiede, aber auch wichtige Gemeinsamkeiten: Der Schlüssel zum erfolgreichen Aktienhandel besteht im Kaufen unterbewerteter Aktien, und deren Verkauf, sobald sie überbewertet sind. Dieses Valuekonzept gibt es bei Sportwetten auch: Ob sich eine Wette auf Bayern München als Sieger des nächsten Spiels lohnt, entscheidet sich für mich daran, ob die Wettquote zu hoch gepreist ist. Wenn ja, dann gehe ich diese Wette ein.

Was sind typische Anfängerfehler?

Anfänger wetten auf Sieger, Profis wetten auf (zu hohe) Preise. Anfänger machen meist den Fehler, Wetten als Ja/Nein-Angelegenheit zu betrachten, statt Wettquoten als das zu sehen, was sie sind: Wahrscheinlichkeiten. Beim Wetten geht es darum, diese Wahrscheinlichkeiten genauer zu schätzen als der Markt, doch den wenigsten ist das bewusst. Ein andere typischer Anfängerfehler: Pro Wette einen viel zu großen Anteil des Wettkapitals zu setzen. Anfänger unterschätzen die möglichen Zufallsschwankungen meist gewaltig. Persönlich würde ich niemandem empfehlen, mehr als zwei Prozent je Wette zu setzen. Aus diesem Grund ist es ideal, beim Tippwettbewerb auf bettingexpert teilzunehmen: Du riskierst kein Geld, kannst dennoch welches gewinnen, und am wichtigsten: Du kannst deine Fähigkeiten unter realen Bedingungen testen. Denn am meisten lernst du immer in der Praxis.

Welche Ratschläge hast du für Wettanfänger?

Viel Geduld mitzubringen und jede Idee erst einmal in Ruhe auf dem Papier oder nur mit sehr kleinen Einsätzen zu testen. Wer kein mathematischen Vorteil auf seiner Seite weiß, sollte lieber nicht wetten. Die beste Empfehlung ist: Vertiefe dich in Wetttheorie, denn darin liegt der Schlüssel zum erfolgreichen Sportwetten. Ahnung vom betreffenden Sport zu haben ist dagegen weit weniger wichtig, als du denkst.

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Benny Semmler

Mecklenburger. Sportjournalist. Fußballblogger. Basketballfreund. Hamburger. Pfannekuchenfan. Fahrradfahrer. Wostokbrausetrinker. Padthailiebhaber. Bukowskifan. Jetzt bei FRISCHER FILM. Superkrass.