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„Das Training hebt jedes Team auf ein neues Niveau“

Stefan Müller ist Lehrer und seit 2013 ausgebildeter Life-Kinetik-Trainer vom Fach. Kürzlich trainierte der 51-Jährige die Oberligamannschaft vom SV Rugenbergen. Trainer Ralf Palapies meinte nach dem Training: „Das machen wir jetzt regelmäßig.“ Wir sprachen mit Stefan Müller über die Magie des Trainings.

Stefan, wenn man mit Menschen spricht, die Life Kinetik Training gemacht haben, dann ist ihr erster Satz …
„…das hat irre viel Spaß gemacht und war lustig.“ Und einige überraschen sich, wie schwer manch einfache koordinative Dinge umzusetzen sind.

Worum geht es grundsätzlich?
Life Kinetik ist eine Trainingsform, die das Gehirn mittels nicht alltäglichen koordinativen, kognitiven und visuellen Aufgaben fördert – nach dem Prinzip: Bewegungen ausführen, während zugleich das Gehirn gefordert wird. Das Prinzip des Konzeptes ist ebenso einfach wie komplex und in seiner Trainingsform einzigartig. Es gibt kein vergleichbares Training dieser Art.

Aber so richtig Runde hat das Prinzip noch nicht gemacht. Oder warum habe ich noch nie etwas davon gehört?
Ich glaube, dass es dort, wo du dich aufhältst, also im Amateurbereich, noch nicht publik genug ist. Und viele denken vielleicht auch, wenn Profis das machen, muss es sehr teuer. Ich sage aber: Ist es nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Methode aus dem Süden kommt. Es ist hier oben in Deutschland einfach noch nicht richtig angekommen.

Seit ein paar Jahren bedient sich die Bundesliga an der Methode. Jürgen Klopp war diesbezüglich einmal mehr ein Vorreiter, schwärmt vom Training.
Als Klopp in Dortmund in seiner Anfangsphase war, 2009, 2010, konnte man erkennen, dass seine Spieler handlungsschneller waren als ihre Gegner. Mittlerweile haben die anderen Vereine nachgezogen und der Vorteil ist geschwunden. Kürzlich sah ich ein Interview mit Klopp, in dem er meinte, sie hätten aktuell kaum Zeit für das Training unter der Woche. Aber sobald die Zeit wieder da ist, wäre es das erste, was er wieder einführen würde.

Sind Trainingserfolge messbar?
Das sind sie durchaus. Bei Jugendnationalmannschaftsgolfern wurde das Stresshormon Cortisol beäugt, welches nach zwölf Wochen Training total abgenommen hat. Der Cortisol-Wert ging um bis zu 30 Prozent zurück. Das ist schon erheblich. Bei Handballern hat Handlungsschnelligkeit und die Qualität der Entscheidungen nachweislich zugenommen.

Ist das Training für auch Amateure in der 5. Liga sinnvoll?
Wenn jemand gut sein will, dann auf jeden Fall. Was Handlungsschnelligkeit, Koordination und Stressbewältigung angeht, ist derzeit nichts Besseres auf dem Markt. Ich bin überzeugt, dass dieses Training das Team qualitativ auf eine neue Stufe hebt. Es werden neue Muster im Kopf gelegt, alte durchbrochen und es gibt immer wieder neue Impulse, wobei sich das Hirn auf neue Reize einstellen muss. Stress habe ich auch in der Oberliga.

Du bist der Meinung, Life Kinetik sollte im Amateurbereich zum Standard werden.
Definitiv. Weil es eben jeden voranbringt. Dabei geht es ja nicht nur um das Fußballerische. Das Training hilft dir zeitgleich auch im Job, Studium oder alltäglichen Leben. Es macht dich für alle Bereiche fitter im Kopf.

Man macht das Training nur einmal in der Woche, eine Stunde. Und trotzdem stellt sich Fortschritt ein?
Das Gehirn braucht, wie ein Muskel, Ruhephasen. Nur braucht das Hirn längere Pausen zur Erholung. Eine Stunde Training ist höchst intensiv für den Kopf. Es gibt Forschungsergebnisse, dass diese Frequenz sinnvoll ist. Man kann es natürlich auch zweimal eine halbe Stunde machen oder jeden Tag zehn Minuten, aber das ist im Teamsport schwer umsetzbar.

Wo ist die Grenze des Leistungaufbaus?
Es gibt nach oben kein Ende. Denn kleinste Veränderungen in den Übungen ergeben neue Übungen und eine Nuance der Umstellung stellt für das Hirn eine völlig neue Herausforderung dar. Darum geht es auch: Immer neue Reize zu setzen. Automatismus in Übungen ist überhaupt nicht erwünscht. Sobald ich automatisch etwas abrufe, arbeitet das Hirn nicht mehr. Und zur Frage: Egal wie schnell Cristiano Ronaldo im Kopf ist, es geht noch schneller, noch besser.

Du bist seit 2013 als Life Kinetik-Trainer unterwegs. Wie ist das Feedback von Sportlern?
Ich nehme gerne das Beispiel eines 14 Jahre alten Fußballers. Den Burschen trainiere ich beim Hamburger Sportbund und nun ist er in den DFB-Stützpunkt aufgenommen worden. Er sagte mir, wie sehr es ihn voran gebracht hat. Gerade im koordinativen Bereich. Natürlich ist ein 14-Jähriger noch lernfähiger als ein Erwachsener, aber generell ist das Training für jeden hilfreich. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, Sportler oder couch potato. Ein anderes Beispiel: Ich habe das in Moorege bei Fußballern gemacht. Das Team war aufgestiegen und sollte die Klasse halten. Und dann hat man entschieden, dass man die fehlende Erfahrung eine Liga höher durch mehr Cleverness und Handlungsschnelligkeit ausgleichen kann. Es hat funktioniert, sie wurden am Ende 8., obwohl die Presse sie vorher als klaren Abstiegskandidaten gehandelt hat.

Zusammengefasst: Es gibt keinen Haken.
Es gibt keinen, außer einer Stunde Aufwand pro Woche. Ich brauche kein Extra-Training und kann danach noch trainieren. Die Spieler sind vielleicht etwas müder im Kopf, aber die Beine funktionieren ja noch.

Der SV Rugenbergen hat vom Training geschwärmt und will es in seine Vorbereitung einbauen. Was sagen wir anderen Mannschaften, die Interesse haben?
Also aktive Kurse gebe derzeit nur ich im Norden. Es sollen zwar 10 bis 15 Trainer gelistet sein, aber diverse registrierte Trainer bieten nichts mehr an und reagieren nicht auf Anfragen. Ich will gerne im Sport unterwegs sein und freue mich daher auch über Anfragen. Und nochmal: Das Training ist finanziell erschwinglich und nach 12 Wochen wird man Fortschritte erkennen. Für alle Skeptiker: Ich fing einst mit sechs Leuten an, dann waren es 8, dann wurde Funk und Fernsehen aufmerksam und folglich stieg es flott auf 15 Leute an. Heute bin ich bei zwei Kursen pro Woche und außerdem hat der Hamburger Fußballverband mich beauftragt, ich bin Dozent beim Hamburger Sportbund und ebenso beim Hamburger Tennisverband.

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Harry Jurkschat

Seit Gründung mit auf dem brennenden BTB-Rasen. Im Gegensatz zu Semmler ist Jurkschat smart. Eine Mischung aus Mehmet Scholl und Günter Netzer. Der ewig 31-Jährige Insiderexperte harmoniert sich von Meppen bis Kiel, ist der Ausbügler und Staubsauger in der 2. Reihe. Dazu kommt aufgrund internationaler Fussball-Erfahrung (6 Länderspiele für Deutschland) Know-How im Wesentlichen. Manko: Bisweilen zu symphatisch und häufig mit den Sekretärinnen beschäftigt.