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Kiels Czichos: „Versuchen jeden Tag gegen den Trend zu arbeiten“

An der Kieler Förde weht seit vielen Wochen ein eisiger Wind. Holstein Kiel ist nach 14 Spielen und nur drei Siegen auf Tabellenplatz 17 der Dritten Liga gelandet. Wir sprachen mit Neu-Storch Rafa Czichos über die schwierige Situation, seine Offensivqualitäten und das Ziel aufzusteigen.

Foto: calcio-culinaria.de

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Nach dreieinhalb Monate in Kiel und einer handfesten Krise: Fühlst du dich noch wohl?
In Kiel kann man sich auf jeden Fall wohl fühlen. Gleich zu Beginn habe ich eine Wohnung gefunden, sodass nach ein paar Wochen auch direkt meine Freundin zu mir gezogen ist. Außerdem hat die Mannschaft mich und die anderen richtig gut aufgenommen. Das passt also. Sportlich müssen wir natürlich eine Schippe draufpacken.

Holstein steckt in einer schwierigen Phase: In 14 Spielen kamen erst drei Siege zustande.
Wir versuchen jeden Tag gegen diesen Trend zu arbeiten. Unsere Trainer stellen uns Woche für Woche exzellent auf die Gegner ein, keiner lässt sich hängen, aber der Gegner macht seit Wochen aus drei Torchancen zwei Tore. Wir haben die ganze Saison noch keinen Elfmeter zugesprochen bekommen. Darüber müssen wir uns jetzt nicht ausheulen, aber diese Situationen muss man sich eben erarbeiten. Das kommt nicht von alleine.

Welche Auswirkungen hat der plötzliche Abgang von Hauke Wahl oder die schweren Verletzungen von Marlon Krause?
Ob der Abgang von Hauke zur aktuellen Situation beiträgt, weiß ich nicht. Auch mit Hauke hatten wir am Anfang der Saison nicht die erfolgreichste Phase. Es ist allgemein eine richtig schwere Phase für uns. Auch der Ausfall unseres Kapitäns und unseres Stammtorhüters ist nicht einfach für uns. Doch wir als Mannschaft versuchen jedes Wochenende den Verlust aufzufangen und wir werden es auch schaffen. Denn auch ohne Marlon, Kenneth und Milad haben wir einen richtig guten Kader.

Vom linken Verteidiger bist Du mittlerweile aus gewisser personeller Not in die Innenverteidigung beordert worden. Wie gefällt Dir die neue  Rolle?
Ich habe die letzten drei Jahre fast durchgehend die linke Verteidigerposition gespielt und nur selten in der Innenverteidigung gespielt. Mir gefällt die Position gut. Es macht mir Spaß, dort zu spielen. Auch wenn wir die Position völlig anders spielen, als man es gewöhnlich tut. Ich habe auch mit dem Trainer gesprochen, dass ich keinerlei Probleme damit habe, in der Innenverteidigung zu spielen.

Mit 16 Einsätzen und sechs Toren machst du manchem Angreifer Konkurrenz.
Mir ist es wirklich egal, ob ich Stürmer spiele, rechts hinten oder Torwart. Dass ich gewisse Qualitäten in der Offensive besitze, habe ich auch in den letzten Jahren gezeigt, wo ich in Erfurt für einen Außenverteidiger relativ viele Tore erzielen konnte. Aber jetzt bin ich Innenverteidiger und damit kann ich mich sehr gut arrangieren.

Zuletzt bist du in Wolfsburg und Erfurt gewesen. Wie waren deine Erinnerungen an Kiel? Und gab es vor dem Wechsel nach Gespräche mit dem Ex-Kieler Ferhat Yazgan?
Zu Ferhat habe ich leider keinen Kontakt mehr. Ferhat spielt meines Wissens nach mittlerweile in der Türkei. Aber ich habe auch zu Wolfsburger Zeiten immer gegen Kiel gespielt. Bei den Duellen hat es immer unheimlich gebrannt hinten. Es war nie angenehm gegen Holstein Kiel zu spielen. Als der Kontakt entstand, habe ich mir alles in Kiel angesehen. Es wurde mir ein positiver Eindruck vermittelt und das Trainerteam hat sich sehr um meine Person bemüht. Das war letztlich ausschlaggebend für mich, nach Kiel zu wechseln.

In den vergangenen Spielzeiten durften die Neuzugänge immer den „Aufstieg“ als Ziel formulieren. Bleibt es dabei?
Ich bin nach Kiel gekommen, um mit diesem Verein aufzusteigen. Und auch wenn es jetzt nicht danach aussieht, bin ich der Meinung, dass wir die Qualität dazu haben. Ich möchte keinesfalls sagen, dass wir in dieser Saison noch um den Aufstieg mitspielen. Wir spielen die nächsten Wochen erst einmal um eine bessere Positionierung in der Tabelle, aber auf kurz oder lang möchte ich mit Holstein Kiel erfolgreich in der Dritten Liga spielen.

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Du bist in Saudi Arabien geboren. Was hat es damit auf sich?
Meine Eltern und mein zehn Jahre älterer Bruder haben dort fünf Jahre gelebt. Zu der Zeit bin ich dann geboren. Ich selbst habe noch zwei Jahre dort miterlebt. Viele Erinnerungen gibt es aber nicht.

Was macht Rafael Czichos in Kiel mit seiner Freizeit?
Das, was man in jeder anderen Stadt auch macht. Wir gehen abends gerne mal mit Freunden essen oder schauen uns einen Film im Kino an. Hin und wieder gehe ich auch Basketball spielen mit Schäffler und ein, zwei anderen Leuten. Playstation-Abende oder gemeinsames Fußball-Schauen gehören natürlich ebenso dazu. Und wenn es die Zeit zulässt, geht man im Sommer natürlich an den Strand.

Norwin Heister

Der gebürtige Kieler mit natürlich gegebener Affinität zum Lokalmatador Holstein Kiel, ist 19 Jahre alt und macht gerade sein Abitur. Neben Heim- und Auswärtsspielen der KSV ist Norwin Heister gerne auch mal in den unteren Gefilden bis zur Kreisklasse unterwegs oder versucht sich selbst am Ball. Nach dem Betrieb eines eigenen Blogs, freut sich der angehende Bankkaufmann nun bei BTB über die Fußballgrößen des Nordens berichten zu dürfen.