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Stefan Schnoor im Gespräch mit BLOG-TRIFFT-BALL

Stefan Schnoor: Du deutsches Arschloch

Der 40-Jährige Hamburger über seine Begegnungen mit der fiesesten Grätsche der Welt, seine Meinung über Tobias Grubba und seinen Rat an Germania Schnelsen. 

Fangen wir sportlich an: Erinnern Sie sich bitte an Ihre beste Grätsche und beginnen Sie zu berichten…
Stefan Schnoor:
Ich erinnere mich. Wir haben mit Derby County zu Hause gegen Manchester United gespielt. Ich hatte im Mittelfeld den Ball und wollte gerade den Ball abspielen, da fegt mich von hinten einer um. Und da war das Roy Keane. Der dann zu mir sagte: „Ey, du deutsches Arschloch. Herzlich willkommen. So wird in England Fußball gespielt.“

Das klingt vielversprechend.
Zwölf Minuten vor Schluss hatte ich ein Laufduell an der Außenlinie mit ihm. Und dann habe ich ihn mir gepackt. Einen Fuß auf seinen Knöchel, den anderen in die Wade und dann ist er in die Bande gedonnert. Dann bin ich zu ihm hin und habe gesagt: „Und so antworten die Deutschen, du Arsch!“ Nach dem Spiel saßen wir gemeinsam in der Players Lounge und haben Bier getrunken. Ein großartiges Erlebnis.

FRISCHER FILM

Auf in die Aktualität. Uns wird des Öfteren die Fragen gestellt „Was der Schnoor eigentlich macht?“. Antworten Sie bitte.
Ich betreibe mit zwei Kollegen eine Sportmarketingagentur. Unsere Büros sind gleich dort drüben.

Was leistet diese Sportmarketingagentur?
Wir kümmern uns um Events, organisieren Golfturniere und beraten Firmen.

Das klingt eher nach fußballfremden Tätigkeitsfeldern.
In der Tat. Aktuell planen wir aber auch ein sehr, sehr großes Fußballturnier. Da suchen wir gerade Vereine und eine Stadt, die das Turnier ausrichtet. Es gibt einiges zu tun.

Demnach sind Sie gar nicht als Spielerberater tätig?
Auf Zuruf und Vermittlung arbeite ich auch als Spielerberater, habe ja vor einiger Zeit auch die Lizenz zum Beraten erworben. Weil mich viele Leute anrufen und wollen, dass ich zu den Vereinen einen Kontakt herstelle. Insofern, in kleinem Maß, bin ich spielerberatend tätig.

Aufgrund Ihrer Bekanntheit ja nachvollziehbar.
Natürlich. Für einen Fritz Brause ist es schwierig bei Borussia Dortmund durchzukommen. Aber ich muss auch sagen, dass das Geschäft grenzwertig ist.

Was genau empfinden Sie als grenzwertig?
Na ja, unter dem Strich ist das Geschäft ein gut bezahlter und im Anzug organisierter Menschenhandel.

Das Gespräch ist übrigens in einer bekannten Kaffee-Filiale in Blankenese
entstanden. Achja, Stefan Schnoor bestritt 278 Bundesligaspiele.
Ist ja auch nicht so schlecht.

Vor einem halben Jahr organisierten Sie Schnelsens Torwart Tobias Grubba ein Probetraining beim FC Bayern München. Wie hat er sich aus Ihrer Sicht dort geschlagen?
Tobi hat morgens bei der U23 mittrainiert und war da definitiv der beste Torwart. Am Nachmittag hatte er zwei Stunden Einzeltraining mit Walter Junghans. Der im Übrigen sehr angetan von Tobi war. Nur suchten die Bayern zu dem Zeitpunkt hinter Manuel Neuer und Hans-Jörg Butt eine profierfahrene Nummer Drei. Sie wollten einen robusten Torwart, der es gewohnt ist, zwei Mal am Tag zu trainieren. Das konnte Tobi nicht vorweisen.

Aber wussten Sie das nicht vorher?
Natürlich. Aber Tobi weiß jetzt, worauf im obersten Level geachtet wird. Und die Erfahrung hat ihn mit Sicherheit nicht dümmer gemacht.

Braucht ein Oberliga-Spieler einen Berater?
Schwer zu sagen. Ein sehr ambitionierter Spieler vielleicht. Einer, der zwei, drei Ligen höher spielen will und muss, ja, so ein Spieler ist mit dem richtigen Berater garantiert in einer besseren Position als ohne.

Wann sehen wir Sie im Big-Business Bundesliga?
Wenn mir eine Aufgabe als Sportdirektor angeboten wird.

Gab es vom HSV nie ein Job-Angebot?
Nein, bis jetzt nicht.

Woran könnte das liegen?
Ich bin ein Typ, der Fehler sehr schnell und offen anspricht. Das wurde früher und ist heute nicht so gerne gesehen. Dann ist man der Unbequeme.

Also ist es besser die Klappe zu halten und nichts zu sagen?
Es ist doch so: Wenn ich einen Fehler anspreche, dann steckt dahinter immer eine Person. Der Unterschied zwischen einem fehlerhaft ausgeführten Job beim HSV und einem Fehler hinter der Theke – der Kollege da vorne schenkt ja auch nicht immer den richtigen Kaffee aus – ist die riesige Bühne, die Öffentlichkeit. ‚Schnoor geht auf xy los‘, steht doch sofort in der Zeitung, wenn ich intern die Dinge kritisch ansprechen würde. Und das ist nicht gewollt.

Sie sind weiterhin als Spieler beim Oberliga-Spitzenreiter Germania Schnelsen gemeldet. Butter bei die Fische: Spielen Sie nochmal im Germanen-Dress?
Na ja, die sind so gut, die brauchen mich gar nicht.

Und wie schaut’s tatsächlich aus?
Ich bin beruflich sehr, sehr eingespannt und habe dieses Jahr noch kein einziges Mal trainieren können. In der Oberliga musst du, um mithalten zu können, fit sein. Insofern lasse ich das.

Dann halten wir fest: Das war’s mit Ihnen und dem Oberligafußall. Im Rückblick: Wie fühlten sich die 15 Spiele in Hamburgs Stadtliga an. Haben Sie als prominenter Ex-Profi viel auf die Socken bekommen?
Einige haben es probiert. Aber ich kann mich ja auch wehren. Ansonsten hat es mir viel Spaß gebracht. Gerade in der witzigen Germania-Truppe hat es viel Spaß gemacht. Doch, das war schon super.

Bleiben wir noch kurz bei Germania. Der Verein peilt die Regionalliga an. Sie als Businesskopf, was sagen Sie: Sollte Schnelsen aufsteigen?
Nein. Ein passender Rahmen für die Regionalliga ist schlichtweg nicht vorhanden. Die Regionalliga hat nichts mehr mit Amateurfußball zu tun. Aber das ist meine persönliche Meinung. Die sollen versuchen Pokalsieger zu werden oder Nachwuchsleute ausbilden, die dann zum HSV oder St. Pauli verkauft werden können. Der Verein kann sich viele Ziele stecken. Aber die Regionalliga Nord ist nicht der richtige Weg.

Und wohin geht es für Sie heute noch?
Rüber ins Büro.

„Match-marketing“ – Die Firma von Stefan Schnoor

Benny Semmler

Mecklenburger. Sportjournalist. Fußballblogger. Basketballfreund. Hamburger. Pfannekuchenfan. Fahrradfahrer. Wostokbrausetrinker. Padthailiebhaber. Bukowskifan. Jetzt bei FRISCHER FILM. Superkrass.