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BLOG-TRIFFT-BALL im Gespräch mit Valerien Ismael

Seit knapp zwölf Monaten trainiert Ex-Profi Valerien Ismael (37) die zweite Mannschaft von Hannover 96. Nach 14 Spieltagen führen sie die Regionalliga-Nord mit zwei Punkten Vorsprung auf Holstein Kiel an. BLOG-TRIFFT-BALL sprach mit Ismael über die Ambitionen seines Teams, die Abwehrschwäche und über Felix Magath. 

 

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Herr Ismael, ist Ihrer Mannschaft die Meisterschaft in der Regionalliga Nord zuzutrauen?
Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Niemand kann voraussagen, ob die Top-Spieler die ganze Saison fit bleiben. Aber meine Jungs sind hungrig, lassen nicht locker und können sich immer wieder neu motivieren. Eins ist klar: Wir sind nun die gejagte Mannschaft. Das war vergangenes Wochenende gegen Rehden festzustellen. Unser Gegner hat hart und intensiv gegen den Ball gearbeitet. Es war schwer durchzukommen, wir brauchten viel Geduld.

Der Schwachpunkt Ihrer Mannschaft ist die Abwehr. 19 Gegentreffer in 14 Spielen sind für einen Tabellenführer überraschend viele. Warum funktioniert Ihre Verteidigung noch nicht?
Wir treffen in der Abwehr oft die falschen Entscheidungen und präsentieren uns im Zweikampf unklug. Im Gegensatz zum Angriff, wo wir sehr erfahrene Spieler haben, ist unsere Verteidigung mit sehr jungen Spielern bestückt. Der ein oder andere Patzer ist deshalb einzuplanen. Aber das wird von Spiel zu Spiel besser.

Sie haben den erfahrenen Sturm bereits angesprochen: Deniz Kadah ist 26, Lars Fuchs sogar 30 Jahre alt. Können die beiden noch einmal den Sprung zu den Profis schaffen?
All meine Spieler haben die Chance, im Profigeschäft zu landen. Ob nun bei Hannover 96 oder woanders. Das ist mein Ziel als Trainer. Deniz und Lars bringen gute Leistungen und führen die jungen Mannschaftskameraden. Ich bin also sehr zufrieden mit ihnen.

Sie sind seit etwa einem Jahr Trainer bei Hannover 96 II. Wie haben Sie sich seitdem weiterentwickelt?
Ich denke, dass ich mich besonders in der Ansprache weiterentwickelt habe. Je nach Spiel muss ich die richtigen Worte finden, um meine Spieler zu motivieren und die Spannung hochzuhalten. Im Verlaufe der vergangenen zwölf Monate habe ich gelernt, wann ich Druck aufbauen und wann ich Druck rausnehmen muss. Es ist eine Herausforderung, immer die richtige Balance zu halten. Gegen starke Gegner muss ich Selbstvertrauen vermitteln, gegen vermeintlich schwächere Teams für die erforderliche Konzentration sorgen.

Felix Magath hat mich beeindruckt

In Ihrer langen Profikarriere haben Sie unter vielen Trainern gespielt. Von wem haben Sie besonders viel gelernt?
Ich hatte viele unterschiedliche Trainer – vom sehr strengen Disziplinfanatiker bis zum Pädagogen. Besonders geprägt hat mich Thomas Schaaf. Seine Mannschaftsführung und sein Training waren super. Bei Ottmar Hitzfeld habe ich zudem gelernt, wie man die Spieler bei Laune hält und die richtigen Worte findet. Aber auch Felix Magath hat mich beeindruckt. Man braucht eine gewisse Härte, um die Spieler zu führen.

Ist es also ungerecht, dass Felix Magath derzeit stark in der Kritik steht und als nicht zeitgemäßer Trainer bezeichnet wird?
Es ist immer einfach, hinterher auf jemanden einzudreschen. Jeder Spieler, der einen Vertrag beim VfL Wolfsburg unterschrieben hat, wusste wie Felix Magath tickt. Also sollte man sich vorher darüber Gedanken machen. Ich kann nur sagen, dass Felix Magath ein Trainer ist, der immer mit offenen Karten spielt. Und als er erfolgreich war, hat sich niemand über seine Trainingsmethoden beschwert oder sie als nicht zeitgemäß bezeichnet.

Zurück zu Ihrer Mannschaft: Ist es schwierig, in einer Bundesliga-Reservemannschaft einen Teamgeist entstehen zu lassen? Schließlich möchte jeder glänzen und sich für die Profimannschaft empfehlen.
Wir haben in unserer Mannschaft einen tollen Teamgeist. Ich sage zu meinen Jungs immer wieder: Wenn wir gemeinsam Erfolg haben, werden alle davon profitieren. Wenn die Mannschaft erfolgreich ist, ist es auch viel einfacher, einen neuen Vertrag zu bekommen oder einen neuen Verein zu finden. Die Jungs haben das kapiert. Wenn wir über das Kollektiv kommen, können wir sehr viel erreichen.

Auf der anderen Seite werden auch regelmäßig Profis in die zweite Mannschaft geschickt, um dort Spielpraxis zu sammeln. Ist es für einen Trainer schwierig, das System dann immer wieder umzustellen?
In der vergangenen Saison war das tatsächlich extrem. Viele Profis sind zu uns gekommen, zum Beispiel Langzeitverletzte wie Leon Andreasen. Teilweise hatten wir über 30 Spieler beim Training. Viele Spieler, die normalerweise aufgelaufen wären, mussten hinter den Profis zurückstecken. In dieser Saison ist es etwas anders. Wir haben unseren Kader bewusst auf 19 Spieler reduziert. Natürlich ist das auch ein Risiko. Schließlich könnten sich einige Spieler verletzen.
Aber bisher war es die richtige Entscheidung.

» Regionalliga Nord: Tabelle und Ergebnisse

Oliver Jensen

Oliver Jensen ist Sportjournalist aus Leidenschaft. Ob nun Fußball, Handball oder American Football - der 29-Jährige ist immer nahe am Geschehen und schreibt unter anderem für den Deutschen Fußball-Bund, den Kicker und die Deutsche Tennis Zeitung. Den Beruf hat er zuvor an der Freien Journalistenschule in Berlin erlernt. Seit November 2012 schreibt er auch für BLOG-TRIFFT-BALL.